Ein letztes ekstatisches Tänzchen

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Da? Oder da? Die RambaZambas bei der dadaistischen Positionsbestimmung © Holger Rudolph

Mit seiner Revue „Da Da Diven“ verneigt sich das Theater RambaZamba vor dem Dadaismus

Im Hintergrund flackert buntes Gekritzel und das Wort „DADA“ über den Eisernen Vorhang, der die Bühne abschließt. Davor wandeln die „Da Da Diven“ in pompösen Abendkleidern aus weißem Papier. Während sie zur Live-Musik der vierköpfigen RambaZamba-Band durch die karge Kulisse tänzeln oder in einer Reihe von hinten nach vorne und wieder zurück tippeln, zerreißen sie ununterbrochen Papier und lassen es wie Konfetti zu Boden fallen.

Ihr Treiben wirkt wie eine ausgelassene Party, zu der das Theater RambaZamba mit seiner dadaistische Revue „Da Da Diven“ einlädt, die Gisela Höhne für das Grenzenlos Kultur Festival konzipiert hat. Mit Liedern, Gedichten und Witzen, die auf Texten von Dadaisten wie Kurt Schwitters, von Dada beeinflussten Autoren wie Daniil Charms und dem Dadagestus verwandten Dichtern wie Ernst Herbeck basieren, irritiert die Show von Anfang an, sorgt aber auch für viele Lacher.

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Die RambaZamba-Band zwischen Miniflügel und Schlagzeug © Holger Rudolph

Schon als man das Kleine Haus des Mainzer Staatstheaters betritt, wird musiziert. Gabi Helmdach saust dazu in ihrem Rollstuhl, an dem ein langer Umhang aus Papier befestigt ist, über die Bühne. Dann verkündet Aaron Smith in Schlips und Zirkushut in immer neuen Variationen den Beginn der Vorführung – bis Joachim Neumann ebenso variantenreich das Gegenteil behauptet.

Kurz darauf treten die weiblichen Diven, denen man ihre Star-Attitüde sofort abkauft, für die unterschiedlichsten Nummern auf: Hier zerdehnen sie Buchstaben, da reichen sie Wortfetzen weiter. Einmal sitzen sie an einer langen Tafel und singen „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Zwar scheint sonst kein tieferer Sinn hinter der Inszenierung zu stecken, aber genau das ist es ja, was Dada ausmacht. Schließlich lehnte die Bewegung, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, bürgerliche Ideale und die Kunst der Jahrhundertwende radikal ab.

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Aaron Smith mit seiner Quetschkommode © Holger Rudolph

Nach einem kurzen Robotertanz reißen sich die Darstellerinnen gegenseitig ihre Papierkleider vom Leib; darunter kommen schwarze und silberne Abendkleider zum Vorschein. Sie stürzen sich in ein letztes ekstatisches Tänzchen, bevor sie sich mit divenhaften Handküssen von den Zuschauern verabschieden.

Nur einer bleibt zurück: Aaron Smith. Er hockt auf dem Boden, zieht seufzende Töne aus seiner Quetschkommode und stimmt einen wortlosen, sehnsüchtigen Gesang an, der nach all dem Trubel wie ein Brennglas wirkt – der emotionalste Moment des Abends.