Was bleibt

Ein Teller Pasta geht immer, auch wenn der Tod naht. © Holger Rudolph

In „Point de fuite“ erzählt ADHOK aus Frankreich von den Herausforderungen und Chancen des Alterns

Eine ältere Frau erzählt von ihren Gebrechen. Schlimm. Aber es gibt ja Medikament dagegen. Das allerdings hat Nebenwirkungen. Dagegen wiederum hilft ein weiteres Medikament, das dummerweise wiederum Nebenwirkungen mit sich bringt, weshalb sie ein weiteres Medikament… Sechs weitere betagte Frauen und Männer reichen ihr eine Pillenpackung nach der nächsten, bis sie vollkommen überladen dasteht, überfordert. Es folgt: eine Halluzination, ein Tanz.

Mit „Point de fuite“ zeigen die Senioren um ADHOK aus dem französischen Le Pré Saint Gervais nach dem Straßentheater „Great Escapes“ ihren zweiten Streich beim Theaterfestival Grenzenlos Kultur. Bezaubernd humorvoll erzählen sie davon, was am Lebensende noch bleibt.

Es muss ja weitergehen

Im U17 steht ein roter Baum, der statt Blätter Glühbirnen trägt. Kleine weiße Kisten verteilen sich auf der von Sand gerahmten Spielfläche, dienen als Hocker oder Podeste. Vereinzelte Topfpflanzen stehen herum, eine Leinwand, in der rechten vorderen Ecke ein paar Tische mit Küchengeräten. Ein bärtiger Mann kocht Pasta. Es riecht nach Weißweinsoße.

Was bleibt? Fotos zum Beispiel © Holger Rudolph

Plötzlich rasten die Senioren vollkommen aus. Popcorn fliegt durch den Raum, ein Mann spielt Luftgitarre, ein anderer wirft mit Mehl. Zwei ziehen sich aus und tanzen ekstatisch durch den Raum. Die Glühbirnen am Baum flimmern und flackern. Dann ist der Rausch zu Ende, der Ernst kehrt zurück. Gleißendes Licht durchflutet den Raum, eine Bahnhofsdurchsage fordert eine Person auf, sich zur Abfahrt bereit zu machen. Die Senioren verharren, dann geht es weiter. Denn es muss ja weitergehen. Bis man gehen muss.

Bis das letzte Licht erlischt

Was bleibt? Erinnerungen, Fotos, Tagebücher, ein Körper voll künstlicher Ersatzteile. Aber auch Wünsche, Träume, Hoffnungen. Die Frage was nach dem Tod kommt. Aber dann sind da auch die Klischees, die Eigenheiten und Vorteile des Altwerdens, die von den sieben Schauspielern mit viel Witz und rigoroser Ehrlichkeit dargelegt werden. Und die Senioren tanzen. Sie feiern das Leben. Jedenfalls so lange, bis auch das letzte Licht am Baum des Lebens erlischt.

Und alles auf Rezept! © Holger Rudolph

ADHOK widmen sich in diesem Stück mit humorvoller Leichtigkeit einem Thema, das jeden betrifft. Sie zeigen, dass das Altern auch mit Spaß und der Neuerfindung des Selbst gemeistert werden kann. Vor allem machen sie klar: Auch Senioren dürfen Spaß am Leben und vor allem am Theater haben.

Am Ende gab es noch Fettuccine fürs Publikum.

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